Merle Clasen
Über mich
Ich bin Merle. Ich bin Musikerin mit ganzer Seele. Ich singe Kabarettchansons und Jazz der 20er-60er Jahre, leite Chöre, gebe Seminare, komponiere geistliche Lieder und trage dabei mein Herz auf der Zunge, denn: Musik ist für mich Sprache, Empfindung und Selbstgefühl.
In meiner Stimme berühren sich die spröde Verletzlichkeit einer Blandine Ebinger und der sentimentale Charme einer Doris Day. Mein Auftreten ist natürlich, wandlungsfähig und pures Leben und der Klang meiner Formationen und Ensembles ist dicht, authentisch und handgemacht. Ich liebe es, wenn Musik Geschichten erzählt, wenn Zeitgeschichte auf Lebensgeschichten trifft und das Gestern im Heute nachklingt.
Ich beobachte, wie die vielen Kommunikationskanäle unsere Zeit dazu (ver)führen, immer reduzierter miteinander zu sprechen. Ich erlebe, wie Menschen zwischen den lauten Stimmen und Eindrücken verstummen und den Zugang zu den eigenen Empfindungen und Worten verlieren. Doch wenn differenziertes Fühlen verloren geht, nimmt differenziertes Denken ab. Worte fehlen, um das eigene Innen auszudrücken. Musik ist eine Sprache, um Worte und Selbstausdruck zurückzugewinnen und um Verbundenheit, Begegnung und das ehrliche Mit-Teilen von Erfahrungen zu stärken. Musik ist mehr als Klang und mehr als Kunst, sie ist Ausdruck von Menschlichkeit: verbindend, stärkend, tröstend, ermutigend und inspirierend.
Ich lade Menschen ein, sich von „alten“ Worten berühren zu lassen und darin der eigenen Lebenswirklichkeit zu begegnen. Um Musik als Sprache und Dialogmöglichkeit erfahrbar zu machen, lasse ich in meinen Konzerten die großen Lieder der Kleinkunst zu Wort kommen, öffne in meiner Chor- und Seminararbeit Räume, in denen Menschen sich spüren, ausdrücken und Gemeinschaft erleben können, und lade in meinen Kompositionen dazu ein, die eigenen Lebensworte und Lebensmelodien zu hören und ihnen zu folgen. So lasse ich Oasen der Freundlichkeit entstehen, in denen Musik zu Begegnung, Erkenntnis und Resonanz wird.
In meiner Kindheit war ich oft sprachlos – obwohl ich gern und viel erzählte, hatte ich für das, was ich fühlte, keine Worte. Als ich fünf Jahre alt war, sagte mein Chorleiter zu meiner Mutter: „Ihre Tochter ist sehr musikalisch, sie sollte Geige lernen.“ Und was bekam ich? Eine Blockflöte! Da in meiner Kindheit Sparsamkeit normal und lebensnotwendig war, war es immer sehr besonders, wenn etwas Neues und etwas nicht Lebensnotwendiges eingekauft wurde. Wenn so ein Einkauf dann noch meinen kindlichen Bedürfnissen galt, war das Gefühl für mich doppelt intensiv, weil ich mich „gesehen“ fühlte. Und dieser Einkaufsnachmittag in Hamburg war für mich ein schöner Traum. Im Laden wagte ich die feine, schokoladenbraune Flöte kaum anzufassen; wieder zuhause versank ich dann im Flötenklang. Ich spürte, dass etwas, was tief in mir verschlossen war, aufbrechen und nach außen kommen durfte. Eine neue Welt tat sich in mir und für mich auf. Ich entdeckte eine Sprache, einen Freiraum und erlebte: Musik ist für mich eine Lebensnotwendigkeit und die Sprache meines Herzens.
Ich lernte schnell, hielt das aber für normal und konnte daher meine Musikalität nie wirklich einschätzen. Ich lebte in meiner Kindheit und Jugend viel in meinem Kopf und dort war in all den Jahren eine regelrechte Jukebox voller Lieder angewachsen, Worte, die plötzlich in mir auftauchten und mir halfen, mein Leben zu deuten. Es war wie ein Soundtrack meines Lebens, angedockt an „alte“ Worte. Immer wieder war es, als wollte mich die Musik ausrichten und aufrichten, mein Ich-Gefühl stärken und mir Worte geben, die ich selbst nicht für mich fand oder nicht aussprechen konnte. Meine Faszination für (Lebens)Worte ließ mich nach meinem Abitur ein Theologiestudium beginnen, das ich aber schon bald wieder abbrach.
Es folgte ein Lehramtsstudium für Musik und Religion, denn Musik sollte mich dann wenigstens als Lehrerin begleiten. Ich studierte gerne und genoss wissenschaftliches Arbeiten und so folgte nach dem Studium eine Promotion. Alte Worte, die 20er Jahre und das Spiegeln von Zeit- und Lebensgeschichte waren meine Themen, denn ich untersuchte – wieder fasziniert –, die religiösen Spuren in der Dreigroschenoper. Ein Nebeneffekt war, dass ich meine Berufsentscheidung noch hinausschieben konnte. Schließlich machte ich doch mein Referendariat, entschied mich für die Schule, sagte eine Stelle zu und wartete auf den Vertrag. Doch schon kurz nach meiner mündlichen Zusage merkte ich, dass sich etwas ganz falsch anfühlte. Ja, ich wollte Musik leben, teilen und vermitteln, doch war Musik für mich etwas so Tiefes, dass ich spürte: Das will ich nur zu meinen Bedingungen tun: in Freiheit und Freiwilligkeit – und so war Schule für mich nicht. An einem dieser Tage, an dem ich auf den Vertrag wartete, ging ich auf dem Meißner spazieren. Es war Mai und alles um mich blühte und war voller Leben, Licht und Leichtigkeit, doch in mir sah es ganz anders aus: In mir war Herbst und Novemberdunkel. Plötzlich stand ich vor einer Kiesgrube. Ich sah weit unter mir den steinigen Boden. Lange stand ich dort und schaute in die Tiefe und auf einmal wusste ich, dass ich drauf und dran war, freiwillig in einen Abgrund zu springen, wenn ich unterschreiben würde. Ich spürte, dass ich mich mit bei diesem „Sprung“ selbst verlieren würde. Ich hörte auf meine innere Stimme und wieder zuhause vereinbarte ich einen Termin mit der Schulleitung, um mein Wort zurückzunehmen. Das war nicht leicht, doch mit dieser Entscheidung fand ich wieder den Weg zu mir, zu meiner Identität, zu meiner Sprache und zu meinem Selbstgefühl.
Mit Chorleitung und Seminararbeit begann ich dann 2008 meine Selbstständigkeit und baute diese beiden Schwerpunkte in den ersten Jahren intensiv aus. Ich entdeckte dabei nach und nach meine eigene Gesangsstimme und ging 2012 mit einem 20er Jahre Programm die ersten eigenen Bühnenschritte. Es folgten viele weitere Jahre intensiver Aufbauarbeit mit teils wechselnden Schwerpunkten, in denen ich mein Jazzquartett gründete, neue Bühnenprogramme entwickelte, weitere Seminarformate anbot und auch die ersten Kompositionen entstanden. Während Corona intensivierte ich das Komponieren, lernte digitale Chorproben zu gestalten, durfte sogar manche Seminare anbieten und nutzte kreativ alle Spielräume, bis wieder „normales“ Musikleben möglich wurde. Seit vielen Jahre arbeite ich mittlerweile als professionelle Musikerin und erreiche immer wieder neue Ufer. Ich habe gelernt, dass Sprachlosigkeit verlernt und die eigene (Gesangs)Stimme gefunden werden kann. Ich habe erfahren, dass Musik innere Stummheit aufbricht, und kann heute bejahen, dass dies ein lebenslanger Lernprozess ist. Ich kann den Weg und das Ringen meines Lebens wertschätzen, weil ich weiß, dass darin Kraft und Echtheit liegen. Mit jedem Chorklang, jedem Bühnenlied und jeder Komposition möchte ich diese Erfahrung weitergeben: dass wir nicht allein sind, dass alles, was klingt, uns miteinander verbindet und dass aus Allem Hoffnung, Freude und Stärke erwachsen kann und wachsen will.
Meine Pläne für das neue Jahr sind ziemlich hochfliegend. Ich bereite mich darauf vor, dass meine Geistlichen Lieder – als CD und Noten – den Weg in die große Öffentlichkeit und in die Verbreitung finden. Mit meinem Frauenchor plane ich im kleineren Rahmen eine CD-Aufnahme mit besonderen Werken, die wir 2024/2025 – teils als deutsche Uraufführung – aufgeführt haben. Mein anderer Chor fährt nach Wien und eine Best-of CD ist geplant und für meine Formationen mit den Chanson- und Jazzprogrammen akquiriere ich besondere Veranstaltungsorte und denke über eine Tour nach. Hast du Lust, mich bei meinen Plänen zu begleiten? Dann melde dich bei meinem Newsletter an. Ich freue mich >>>