Merle Clasen
Über mich
DAS BIN ICH & DAS TUE ICH
Ich bin Merle. Ich leite Chöre und liebe Menschen und ihr Zusammenklingen. Ich singe Kabarettchansons und Jazz der 1920er bis 1960er Jahre, komponiere poetische geistliche Lieder zum Mitsingen und gebe Seminare. Ich liebe Musik, in der Zeitgeschichte und Lebensgeschichte miteinander schwingen. Mich fasziniert, wenn eine Stimme von vor hundert Jahren auf der Bühne plötzlich neben mir steht und eine Frage stellt, die verdächtig nach heute klingt.
Wenn ich singe, berühren sich Gefühlswelten – die spröde Verletzlichkeit einer Blandine Ebinger mit dem sentimentalen Charme einer Doris Day und der schlicht-innige Choral mit dem ausdrucksstarken Kunstlied. Wenn ich auf der Bühne spiele, trifft Charmantes auf Bitteres und Natürlichkeit auf Wandlungsfähigkeit. Wenn ich in Proben und Seminaren Menschen pädagogisch-künstlerisch leite und begleite, geben sich Vergangenes und Gegenwärtiges die Hand. Und in allem geht es mir um Lebensmut. Wenn bei meinem Lied „Geschenk des Himmels, Menschenkind, geboren, um zu leben“, ein vierjähriger Junge verzückt auf der Bank steht und mit allen Sinnen verkörpert: „Ich weiß das!“, dann wird für mich sichtbar, was allen Menschen gilt.
DAS BEWEGT MICH & DAS WILL ICH
Deshalb berührt es mich auch so, wenn Menschen verstummen, wenn sie ihr inneres Erleben wenig spüren und Daseinsfreude versiegt. Mich bewegt es, wenn der Austausch über eine Erfahrung in einem Seminar versandet, bevor er begonnen hat oder wenn das, was gerade auf dem Handy geschieht, ganz selbstverständlich unsere Gespräche bestimmt. Unsere Kommunikationswelt verstärkt das, weil sie unsere Aufmerksamkeit überallhin zieht – nur nicht zu dem, was gerade in uns selbst oder zwischen uns geschieht. Darum ist es mir so wichtig, durch Musik Erfahrungsräume zu öffnen, in denen Menschen aufmerksam wahrnehmen können, was in ihnen selbst und zwischen ihnen geschieht, wo sie zu ihrem eigenen Erleben und Ausdruck ermutigt werden und Miteinander erfahrbar wird, ohne Deutungen vorzugeben. Denn Lebensmut wächst im Kleinen und Miteinander verändert sich immer im Kleinen zum Guten.
Von außen wirkt mein Leben wie viele verschiedene Projekte: Chorleitung, Chanson, Jazz, Seminare, Komposition. Für mich gehört das alles zusammen. Denn mich interessiert immer derselbe Moment: wenn etwas, das innen vielleicht noch diffus oder unbemerkt war, Ausdruck bekommt und daraus etwas zwischen Menschen entsteht.
MEINE PRÄGUNG & MEINE SUCHE
Als Kind war ich selbst oft sprachlos. Ich spürte mich wenig und war sehr früh in meinem Kopf unterwegs. Als ich fünf Jahre alt war, sagte mein Chorleiter zu meiner Mutter: „Ihre Tochter ist sehr musikalisch. Sie sollte Geige lernen.“ Und was bekam ich? Eine Blockflöte. Den Einkaufsnachmittag in Hamburg erinnere ich, weil es sich so besonders anfühlte, dass etwas nur für mich gekauft wurde.
Im Musikgeschäft wagte ich die feine, schokoladenbraune Flöte kaum anzufassen. Wieder zu Hause versank ich in ihrem Klang. Ich spürte, dass ein Teil von mir aufbrechen konnte und den Weg nach draußen fand. In meiner Jugend wuchs in meinem Kopf eine Jukebox voller Melodien und Texte heran, weil Liedtexte mir meine Gefühle übersetzten: „du bist ein Kind auf dünnem Eis“ (Ulla Meinecke).
Nach meinem Abitur machte ich einen Ausflug in ein Theologiestudium, bevor ich ein Lehramtsstudium für Musik und Religion begann. Meine Freude war riesig, denn Musikmachen gehörte plötzlich zu meinem Alltag. Doch im Referendariat spürte ich, dass die Schule nicht der richtige Ort war. Mir wurde innerlich eng, obwohl Musik für mich Weite bedeutete. Trotzdem sagte ich eine Stelle zu und wartete auf den Vertrag. Und mit jedem Tag fühlte es sich ‚falscher‘ an.
Eines Tages ging ich spazieren. Auf einmal stand ich am Rand einer Kiesgrube. Weit unten sah ich den steinigen Boden. Ich blieb stehen und schaute. Dort wurde mir klar: Wenn ich unterschreibe, springe ich freiwillig in einen Abgrund. Zu Hause telefonierte ich mit der Schulleitung und nahm mein Wort zurück. Zum ersten Mal vertraute ich ganz meiner eigenen Wahrnehmung und handelte nach ihr, ohne einen Plan B zu haben.
MEINE RICHTUNG & MEINE HALTUNG
Ich machte mich mit Chorleitung, Konzerten und Seminaren selbstständig. Später ging ich mit Kabarettchansons und Jazz auf die Bühne. Das Spirituelle Körperlernen prägte mich und meine Arbeit mit Körper, Atem und Stimme. Und ich begann zu komponieren. In poetischen geistlichen Liedern und A-cappella-Chormusik fand ich einen weiteren Weg, dem Ausdruck zu geben, was ich für wesentlich halte.
Ich sehe das Verletzliche und Dunkle, das unscheinbare Wunder in einer Pfütze und im Leben einer Schnecke das LEBEN, das leben will. Ich staune immer wieder, wie einzigartig Menschen und ihre Stimmen sind, wie sehr Lieder Menschen tragen können und gemeinsames Klingen Menschen inspiriert. Ich glaube, dass Verbundenheit nicht erschaffen werden muss – sie ist da. Doch braucht es innere Offenheit, damit wir sie überhaupt bemerken.
Musik allein verändert nicht die Welt zum Guten, aber sie kann das Gute der Welt sichtbar und erfahrbar machen und etwas in Menschen bewegen. In meinen Konzerten, Chorproben und Seminaren entstehen durch Musik Oasen der Freundlichkeit. Denn ich glaube, dass alltägliche Freundlichkeit Menschen verwandeln und unser Miteinander zum Guten verändern kann. Und von all dem erzählen meine geistlichen Lieder.
MEIN JETZT
Heute arbeite ich an meinem ersten Album Der Welt ins Gesicht mit 13 poetischen geistlichen Liedern. Es erscheint als Album, als Instrumentalfassung zum Mitsingen und als Notenheft. Ich möchte, dass jemand eine Zeile hört und sie mitnimmt. Dass Worte da sind, wenn die eigenen noch fehlen. Dass Menschen selbst singen und meine Lieder ihre Lieder werden.
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